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Die große Geschichte eines kleinen „s“ - und wie es auf den Synodalen Weg wirkt

13.05.2020

Die große Geschichte eines kleinen „s“ - und wie es auf den Synodalen Weg wirkt

ein Beitrag von Maria Faber, Fachbereich Pastoral in Kirche und Gesellschaft

 

Wie ein Krimi mutet die Geschichte der Apostelin Junia an, spannend und auch tragisch.
Ihr Name taucht vor knapp 2000 Jahren in der Grußliste des Apostels Paulus an die Gemeinde in Rom auf. Junia ist gemeinsam mit Andronikus genannt: „Sie ragen heraus unter den Aposteln und haben sich schon vor mir zu Christus bekannt.“ (Röm 16,7) Der Junia-Gedenktag ist am Sonntag, 17. Mai.
Ab dem 13./14. Jahrhundert geschieht es nun: Ihrem Namen wird ein kleines „s“ angehängt. Aus der Apostelin Junia wird ein Apostel namens Junias. Auch dieses „s“ galt nun fortan als Legitimation für die Behauptung: Die Bibel kenne keine Frauen im Amt. Weil nicht sein konnte, was nicht sein durfte, wurden zudem auch Titel gestrichen (Maria Magdalena, Apostelin der Apostel). Aber: Die Kirchenväter kennen Junia und die orthodoxe Kirche verehrt sie durchgängig als eine der 72 Jünger und Jüngerinnen (Lukas 10,1–19). So konnte auch die kritische Bibelwissenschaft ihre Spur aufnehmen. Junia wurde vom „s“ befreit, seit 2016 ist sie wieder in der revidierten Einheitsübersetzung als Apostelin sichtbar.

In diesem Kontext höre ich die Mahnung der Äbtissin Gertrud von Hackeborn (1241-1299), Kloster Helfta. Sie sagt: „Wenn das Studium der Wissenschaft erlischt, so wird auch die Ausübung der Religion aufhören, da die Schwestern dann die heilige Schrift nicht mehr begreifen“.
Die Fälschung der Junia-Geschichte ist ein Beispiel für die Strategie zur Durchsetzung von patriarchalen Interessen. Junia und mit ihr viele Frauen haben sich ihre Deutungshoheit über die eigene Geschichte und ein Leben in Berechtigung als Apostelin zurück erstritten. Zum #Juniatag gibt es verschiedene Initiativen, so den #Predigerinnentag der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd)

Zum #Juniatag gibt es verschiedene Initiativen:

Im aktuellen Synodalen Weg startete die Sr. Philippa Rath, Abtei St. Hildegard,
Rüdesheim einen Aufruf ihr „… persönliche Lebenszeugnissen von
Frauen, die sich in Vergangenheit und Gegenwart zum Diakoninnen- und zum
Priesterinnenamt berufen fühlten und fühlen und ihre Berufung aus bekannten
Gründen nicht leben konnten und können“, zu schreiben. Sie erhielt in kürzester
Zeit eine überwältigende Resonanz. Sr. Philippa wird diese Zeugnisse in die
laufenden Beratungen einbringen. Bleiben wir beharrlich und streiten weiterhin
für die Gleichberechtigung der Berufungen in der Kirche.

Dokument Beschreibung
Die Apostelin Junia und der Synodale Weg PDF, 118,8 KB
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